…regen, regen ,regen, schlammpisten und aerger in der „verbotenen stadt“
Ein unplanmaessiger abstecher in diese provinze. Eigentlich wollten wir noch etwas weiter in guanxi unterwegs sein, richtung nord-westen um von dort direkt in die gizhou-provinze zu gelangen..
Aber da die einzige strasse dort hin gerade unter bauarbeiten steht und eine einzige schlammpiste ist, haben wir unsere plaene nach ein stuendiger schlammschlacht geandert. Sind zurueck zu unserem morgentlichen ausgangspunkt geradelt und werden morgen mit neuen ideen starten. Unser neuer plan fuehrt uns ein kurzes stueck durch die noerdlich liegende hunan-provinz. Um dann von dieser in die benachbarte guizhou-provinze rein zu fahren.
Jedoch wurde auch dieses vorhaben schon am ersten tag zur reinsten schlamm-partie. 30 kilometer haben wir dennoch zurueckgelegt. Meist schiebend, weil der schlamm so undurchdringlich war. Alle paar meter mussten die bremskloetze und schutzbleche wom groebsten befreit werden. Ohne dies waehre ein weiter kommen nicht moeglich. Das ganze ist ein aeusserst kraefteraubendes unterfangen, psychisch wie physisch. Die wenigen fortschritte die erziet werden, sind nicht gerade aufbauend. Im gegenteil, man wird das daemliche gefuehl nicht los, sich einen abzurackern fuer nichts.
Hinzue kommt das wunderschoene, trostlose wetter, dass dir entweder tiefstes grau oder noch besser, feuchte guesse beschehrt. Vom gelaende ganz zu schweigen, dass alles andere als flach ist. Ein huegel jagt den naechsten und ein pass den andern.
Tot muede und braun von kopf bis fuss, erreichen wir gegen abend unser ziel. Noch nie habe ich mich so gefreut, asphalt zu sehen, geschweige denn ein dorf und die aussicht, auf ein warmes trockenes bett und eine heisse dusche. Mit all dem belohnten wir uns fuer die taeglichen strapazen und noch dazue mit einem chinesisches nachtessen vom feinsten.
Die einzig schlechte nachricht, wir koennen von hier nicht die geplante route in die gouizhu provinze nehmen. Denn dies wuerde ein weiter tag schlammpiste bedeuten.....so wird uns von einheimischen erzaehlt. Wie es scheihnt, fuehren zur zeit alle wege nach rom durch den dreck..... Auf einen weiteren tag wie diesen, verzichten wir in kuerze liebend gern. So entschliessen wir uns fuer eine weiter fahrt in der hunan-provinze und driften dadurch immer weiter noerdlich vom eigentlichen kurs ab.
Der neue morgen bringt erneut regen, diese bild wird langsam zur gewohntheit. Ab in die regenkleidung und raus ins graue. Meistens radeln wir an diesen tagen sehr ungespraechig hintereinander her. Jeder fuer sich mit den gedanken irgendwo, den kopf tief in der kaputze vergraben. Dieses wetter hat den vorteil, dass wir meist schneller ans ziel gelangen, weil viele der kleinen stops wegfallen.
Trotz allem geniessen wir das radeln heute besonders, dank des asphalts unter unseren raedern. Es lebe der asphalt......ein hoch fuer diese erfindung!!!
Bald merken wir, dass unser etappenziel fuer heute, wohl etwas zu hoch gesteckt war. Vorallem mir liegen die vorgaenglichen schlamm-abenteuer, noch schwer in den knochen und ich bringe einfach keine kraft in meine pedalen. Nur schleppend kommen wir voran und muessen ernuechternd feststellen, dass wir ohne motorenhilfe, heute gar nichts erreichen. Gegen abend steigen wir bei einem vorbeifahrenden bus auf. Dieser bringt uns in die naechste stadt, ins naechste hotel, ins trockene.
Diese teile Chinas, sind nicht sonderlich zum campieren geeignet. Es bieten sich wenig moeglichkeiten. Entweder ist jeder flecken bevoelkert oder bewirtschaftet oder dermassen unzuegaenglich, dass sich kaum chancen ergeben. Hinzue kommt das unfreundliche wetter. Durch den dauer regen bleibt die ganze ausruestung staendig feucht. Beginnt zu schimmeln und zu mueffeln.......bevor das ganze jemals wieder trocknen kann.
Gelobt seien die uebernachtungs moeglichkeiten in china....sich abend fuer abend in einem der unzaehligen hotels einzurichten und die nacht trocken ueber die runden zu bringen ist gar nicht so schlecht.
Am morgen fuehle ich mich zu keiner weiterfahrt im stande. Zu sehr haben die letzten tage ihre spuhren hinterlassen. Einfach liegen bleiben und nichts tun, mein koerper und mein geist schreien nach einer erholungspause.
Marcel, der immer noch vor energie strozt und wohl pausenlos radeln koennte....macht sich alleine zum stadtrundgang auf.
Kommt kurze zeit spaeter zurueck und hat spannendes zu berichten. Er soll in der stadt eine art umzug beobachtet haben. In der mitte von polizei wagen, sei ein truck gefahren, dessen ladeflaeche voll mit gefangen war. Alle in handschellen auf dem anhaenger stehend, mit grossen schilder um den hals, auf denen etwas auf chinesisch stand.....so fuhr diese „straeflings-parade“ durch die strassen.
Etwas fragwuerdige sitten pflegen die chinesen manchmal in unserern augen.
Gegen abend kehrt die energie langsam wieder in meine knochen zurueck. Wir gehen gemeinsam ins internetkaffe und wollen anschliessend essen gehen.
Ich lese gerade ein mail meiner eltern, in dem sie sich besorgt darueber aeussern, dass ich in china, pro-tibet-mails versende, da steht auch schon die polizei neben mir. Wedelt mit irgendeinem ausweise vor meiner nase rum....blos ein bloeder zufall, sage ich mir beruhigend und stelle mich erst mal dumm. Ich auslaender, ich nichts verstehen chinesisch......dann die freundlich laechelnde ignorier nummer......immer froehlich weiter in den computer schauen, als waer um einem rum eine huelle aus nichts.
Diese taktik wird zunehmends schwieriger.....denn das ueber volle internetkaffe scheihnt sich ab der polizei presaenz an marcels und meiner seite zu amuesieren. Typisch chinesisch wird um uns herum getuschelt und gekichert.....hi,hi,hi.
Wie witzig, zwei auslaender und die polizei....die lachnummer des tages.....
Chinesen koennen sich eben noch an kleinen dingen erfreuen!
Die polizistin an meiner seite wirkt zunehmends iritierter und fingert nervoes in einem buechlein seite fuer seite durch. Probierts zwischen zeitlich wiedermal mit einer andrede auf chinesich und ihrem ausweis......
Ploetzlich scheihnt sie in ihrem buechlein fuendig geworden und praesentiert mir, sichtlich erleichtert, eine seite auf der in chinesisch und englisch, ihr anliegen geschrieben steht.
„Aliens must register to the public police and need special permit”….
Ja schoen und was bringt uns beiden dieser satz….?
Registriert wird man in china immer von den hotelbesitzern. Diese muessen die ankunft eines auslaenders der polizei melden. Ein gueltiges china-visum haben wir auch.......wo liegt also das problem?
Nun schwenkt die nette polizisten mir irgendein formular vor der nase rum.....die stimmung im internetkaffe nimmt besorgniss erregende zustaende an......
Es kugeln sich schon chinesen auf dem boden und halten sich vor lachen die baeuche...waehrend andere sich auf den fuessen rum stehen um moeglichst nahe am geschen zu sein.
Wir beschliessen zu zahlen und verlassen den tatort wortlos. Die polizei, etwas unbeholfen, lassen wir mit der horde verueckter zurueck.
Nicht lange jedoch, schon folgen uns die beiden uniformierten auf schritt und tritt durch die naechtlichen,nassen strassen.
Dem raeuber und gandarm spiel zunehmends ueberdruessig, beschliessen wir dem ganzen ein ende zu setzen. Wir stellen uns dem wortlosen gefolge.
Fuellen wir halt diesen personalien zettel aus...gesagt, getan....laecheln....verabschieden.....
Nein, nein halt stehen geblieben....
was den noch???
„5 minutes“....
O.k, hat ja noch keinen das leben gekostet.....
Aha, eine englischlehrerin tanzt an, stellt sich uns vor und macht uns netterweise klahr, dass wir aus dieser stadt verschwinden muessen und zwar pronto!
Hae...!?!
Diese stadt sei fuer auslaender verboten und jeglicher weiterer aufenthalt hier ist uns somit untersagt. Wir sollen unsere sachen packen und noch heute nacht, es ist unterdessen schon zehn uhr abends, verschwinden. Was wir hier ueberhaupt suchen, ob wir etwas auffaelliges beobachtet haetten......?
Nein, nicht die winzigste sonderlichkeit, grosses eherenwort......
Das gefolge, mitlerweile bestehend aus vier polizistinnen, einem polizist und der dolmetscherin, fuehrt uns zum hotel zurueck....
Unser zimmer wollen sie durchsuchen......
Nein, da weigern wir uns, dass ist privatsspaehre....nur mit durchsuchungsbefehl......wie bildend fernsehen doch sein kann, diese nummer zieht wirklich.
Na schoen, dann wollen wir eure camera sehen...
–kurz ueberlegen- nein, sind wohl keine bilder des umzugs drauf – o.k, camera koennt ihr euch anschauen.....
Dies wird gruendlichst gemacht......und nochmal vor und zurueck, jedes bild genaustens betrachten ob sich nicht doch etwas verdaechtiges finden laesst.....
Ja es gibt leider nichts zu machen, ihr muesst die stadt trozdem heute noch verlassen!
Ha, jetzt kommt super-womans scharfgeschuetz zum zug.....mein wachsendes mutterglueck ist ja nicht mehr zu uebersehen.....und kugelbauch laesst sich mithilfe der holkreuz position noch besser ins rampenlicht setzen.
Ja, aber ich bin doch sooo schwanger, habe noch gar nichts zu abendgegessen, wegen dieses zirkus und ausserdem sind wir mit dem fahrrad unterwegs......
Schwangere frau in der nacht auf fahrrad-reise schicken, mit leerem bauch......schmerzerfuelltes gesicht aufsetzen......hundeblick.....
Schweigen auf der anderen seite, fragende blicke....dann wird in geheimnissvollem chinesisch irgendwas besprochen.......
Weiterhin beim hundeblick bleiben....
Miss dolmetscherin meldet sich zu wort.....ja ihr koennt sowieso nicht mit dem fahrrad aus dieser stadt raus. Wir bringen euch mit dem polizeiwagen und eure raeder werden nachgeliefert.....
Schweigen auf unserer seite......verschwoehrerische worte auf schweizerdeutsch.....
Ich wende mich an das sechs „mann“ starke gefolge......aber mit leerem bauch und schwangerefrauen brauchen doch ihren schlaf und ohne unsere raeder – unmoeglich!
Sichtlich genervter wortwechsel in unverstaendlicher sprache......herr polizist greift zum handy......
Er ruft seinen oberboss an wie uns Frau dolmetscherin mitteilt und vertroestet uns in der zwischen zeit mit smalltalk.
Wie sich heraus stellt ist der boss heute grosszuegig, vorallem in anbetracht der „umstaende“.
Wir duerfen eine nacht bleiben. Werden jetzt aber von der polizei ins restaurant begleitet. Das essen koennen wir take-away mit ins hotel nehmen....und das waers fuer heute, dass zimmer darf bis morgen frueh um neun nicht verlassen werden......es wird polizeilich ueberwacht. Morgen werden wir abgehollt und zum busbanhof eskortiert. Die tickets in die stadt unserer wahl.....duerfen wir selber bezahlen.....dann werden wir mit samt raedern in den bus gepackt und abtransportiert....der buschauffeur erhaelt strikte anweisung, uns erst am zielort aus den augen zu lassen.
Tja, mit diesem angebot koennen wir leben und zeigen uns einverstanden mit der abschiebungsnummer ala china.
Unverstaendlich und fragwuerdig erschiehnt uns jedoch immernoch, weshalb wir so ueberstuerzt die stadt verlassen sollten. Was gibt es da, was wir nicht wissen sollen, was soll diese geheimniss tuerei? Das in china dinge geschehen die nicht fuer jedermanns augen bestimmt sind, weiss wohl jeder......und doch versucht dieser staat nach wie vor alle unannehmlichkeiten unter den teppich zu kehren und unbemerkt verschwinden zu lassen........
Stillschweigen herrscht darueber...... und die verleugnungs taktik kommt dann zum zug, wenn die geheimen waffen der grossmacht ins oeffentliche licht gelangen.
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