Miss ballonis fahrradabenteuer
eine kleine episode aus dem leben einer ‚schwangerschaft auf raedern“
Ein alptraum ist es dies mal der sich in der nacht einschleicht und sein gesicht auch waehrend des tages nicht verliehrt......jede sekunde mein begleiter zu sein scheihnt. Ohne jegliche aussicht auf hoffnung, treiben wir gemeinsam, tag um tag ein stueckchen weiter.....
Wenn lebenstraeume zum alptraum werden und man sie trozallem weiterfuehren muss, ohne zu wissen wozu......
Komisch, die ersten monate auf dem rad durch die schweiz, italien, tuerkei und syrien.....es hat solchen spass gemacht. Jeden tag einwenig fiter......fahrtgeschwindigkeit und tageskilometer beweisen es schwarz auf weiss. Abends noch immer nicht muede, obwohl man den ganzen tag auf dem rad verbracht hat. Ich meist voraus.....mit freudigem laecheln erwarte ich bei den pausenstops marcel’s ankunft.
Was fuer ein lebensgefuehl, jung, dynamisch, wind in den haaren, abenteurlicher blick in die ferne, totale freiheit – wow!
Dann eines tages, wir befinden uns gerade in diesem fiesem 1500 hoehenmeter anstieg von beyrut (lebanon), an die grenze syriens. Was ist nur mit mir los, schleicht sich da eine krankheit an, meine brueste sind so komisch gespannt. Marcel ist mir immer eine nasenlaenge voraus und das am berg, wo ich doch stets in fliessendem rythmus, langsam aber stetig vor ihm her pedaliert bin.
Wenige tage spaeter haben wir die merkwuerdige „andrea faehrt langsam krankheit“ ausfindig gemacht.....da hat sich doch jemand eingenistet in ihrem bauch. Ich bin schwanger!
Von diesem tag an geht es fahrtechnisch mit meiner ausdauer nur noch berg ab......
Der frust hier rueber staut sich bis ins unermessliche und entlaedt sich in china zum boesen gewitter.
Hauptgrund fuer meine miese laune sind weder das wetter, noch die berge, noch die chinesen... ich kann es partout nicht leiden, die letzte zu sein oder mich als verliehrer zu fuehlen.
Jedoch hat beides seit beginn der schwangerschaft von mir besitz ergriffen......muss ich doch seither taeglich hinter marcel her kriechen. Je sehr ich mich auch anstrenge, ich bin immer die letzte.
So sehr ich mich auch bemuehe, anstelle einer verbesserung wird meine fitness taeglich weniger. Verbohrt kaempfe ich weiter.....ohne erfolg. Ein elendes gefuehl, sich staendig als verliehrer zu fuehlen. Vielleicht werde ich eines tages von dieser erfahrung profitieren. In china jedoch fehlt mir die kraft, irgendwelchen positiven nutzen daraus zu ziehen.
Ich mache marcel und mir das leben schwer und kaempfe mich lieber taeglich mit verbissener, unfreudiger miene ab, als uns beiden einen gefallen zu tun und mein zeug in den bus zu packen.
Was fuer ein lebensgefuehl, jung, schlapp, regennasses haar, den blick auf marcel’s hinterrad, totale verbissenheit – wow!
So sitzen wir viele tage unfreudig in unseren saetteln und treiben uns mehr schlecht als recht stueckchenweise voran.
Marcel verbringt etliche zeit damit, auf dem hoechsten punkt des berges auf mich zu warten. Als dank dafuer, erntet er nur boese blicke und unliebe worte.
Die geduld fuer mich scheihnt ihm in diesen monaten wohl nie auszugehen. Jeden tag versucht er auf’s neue mich auf zumuntern und zu motivieren.
Meine immer groesser werdenden tempo einbusungen ziehen das ganze jedoch zaeh in die laenge.....langsam kommen wir vom fleck. Viele male im tag muss ich vom rad steigen und dieses verdammte ding den berg hoch schieben. Wozu?
Dem dickschaedel zuliebe....der sich nicht eingesteht dass es wohl nicht mer so toll steht mit der sportlerkondition.....und das troz gesundem lebensstyle....
Sieben monate „schwangerschaft auf raedern“ ziehen ins land.......bis ich mir all dies eingestehe. Meine sieben sachen in den bus packe und aufgebe. Marcel wird seine radreise noch ein stueckchen weiter traeumen. Alleine auf den landstrassen von laos. Verdient hat er es alle mal, noch einmal so richtig tempo in die pedalen zu geben, sich absolut frei und dynamisch zu fuehlen......bevor es dann vom kettenwechsel zum windelwechseln geht.
Alles wird gut, beide gluecklich und zufreiden.
Was fuer ein lebensgefuehl, hochschwanger, fit, abenteurliche sonnenbleichung im haar, den ruhenden blick auf dem runden bauch und einem zufriedenen marcel der mich von herzen anstrahlt, in dem moment, als ich ihn mit dem bus ueberhole – wow!
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